Dezember-Urlaub in der Heimat? Segelurlaub!

Vorwinder

Mittwoch diese Woche. 13. Dezember. Ein Urlauber kommt um halb sechs aus den Federn. Zwei Stunden später radelt er mit seinem Vorschulkind auf dem Weg zur Kita entlang der Freundschaftsinsel. Der Kurze fährt mit Begeisterung durch die ersten gefrorenen Pfützen des Jahres. Und doch werden beide von einer roten Sonne überrascht. „Hallo! Mich gibt es auch noch!“ Auf der Rücktour spürt unser „Held“ eine leichte Brise über die Havel wehen. Eigentlich steht jetzt auf dem Programm, in Abwesenheit der drei Chaoskinder zuhause „Klar Schiff“ zu machen und sich ein wenig durch das private Büropapier zu wühlen. Aber darf er das? An einem Urlaubstag? Bei diesem Wetter? Wenn die blaue Vereinstempest seit Wochen tapfer am Steg ausharrt?

Nein!

Also beim Bäcker vorbei und während des Frühstücks die Anzugsordnung durchgegangen. Am Ende sind es vier bis fünf Lagen über den Körper verteilt. Eine Jacke mehr und ein paar zusätzliche Handschuhe wären noch möglich gewesen – aber nicht nötig. Da ist also noch „Luft nach oben“ für die kommenden Wochen. Schwieriger gestaltete sich das schon der Gang an Bord. Das vereiste Vordeck ließ sich um halb zehn einfach noch nicht trocken wischen. Also auf Knien arbeiten. Ähnlich später am Kopfende des Steges. Die Holzbohle die reinste Schlitterbahn. Aber auf dem Hintern sitzend wird da hurtig rüber gerobbt. Denn eins ist klar: Ein Sturz in’s Wasser endet bei diesen Temperaturen gerne im Krankenhaus – weiter draußen auf dem See gerne auch bei den Flügelwesen im blauen Himmel.

vereistesdeck

Aber von solchen Gedanken lässt er sich nicht die Laune verderben. Gegen halb elf wird abgelegt. Gerefftes Großsegel und Fock. So lässt sich die Tempest selbst in den Böen entspannt segeln, die jetzt mit frischen vier Windstärken über die Havelenge zum Templiner See einfallen.

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An dieser Stelle noch mal ein großes Lob an die Konstruktion der Tempest. Sie trägt sicher nicht die Eleganz und Kompromisslosigkeit eines Stars zur Schau, den sie deshalb auch ungerechtfertigter Weise in den siebziger Jahren aus dem olympischen Programm verdrängte – kurzfristig. Aber als sportliches und dennoch handzahm und sicher segelndes Schiff für unser Gewässer ist es wirklich ein vortreffliches Schiffchen. An der Kreuz sorgte der voll aufgefierte Traveller für einen Gegenbauch der halben Unterliekslänge. Damit konnte die Fock selbst in den härtesten Böen noch voll angeströmt gesegelt werden. Wohl gemerkt – es fehlte an dem Tag ein komplettes zweites Crewmitglied von ca. 80 kg im Trapez. Und der Kiel kommt bekanntlich erst ab einer Krängung zur Geltung, bei der der dann geschrickte Großbaum auch schon in’s Wasser kommt. Also segeln wir das Boot bis zum Zeitpunkt der Kenterung im Jollenmodus. Und das war mit ca. 70% der Regattasegelfläche bei dem Wind ganz entspannt machbar. Ein 20er-Jollenkreuzer würde sich da schon wesentlich zickiger segeln lassen.

raumschots

Die Sonne schien also und auf dem Vorwinder in die Saubucht konnte auch mal die Teekanne geöffnet werden und ein zweites Frühstück war auch möglich. Danach noch ein paar schöne Halbwinder. Und ja, beim Arbeiten am Großsegel kam dann doch der Schweiß. Aber Spaß hat‘s gemacht, auch wenn die Kielbombe sich dann doch bemerkbar macht und verhindert, dass die Schöne mal richtig in’s Rutschen kommt. Aber gut, dafür müsste dann ein Contender her. Aber sich in 6mm Neoprenanzug nach einer Kenterung den Hintern abfrieren? Darüber berichten dann mal bitte die wirklich verrückten Vereinskameraden ;-)

Die Moral von der Geschichte? Auch in der Adventszeit gilt: „Nur Segeln ist schöner!“