Dezembersegeln

© Heiner Lindemann

Mitte Dezember, die Segelsaison neigt sich langsam dem Ende. Unter der Woche, nach Feierabend, kann man jetzt nur noch mit Toplicht und Stirnlampe segeln. Dafür wird man mit tollen Momenten im Mondlicht belohnt – einfach herrlich!
Aber auch Regattasegeln ist noch möglich. So entscheiden Hannes und ich, am 2. Advent an der Nikolausregatta auf dem heimischen Templiner See teilzunehmen. Hannes letzte Piratenerfahrung ist über 20 Jahre alt und das, was mal sein letzter Pirat war, ist jetzt der Tresen im Clubraum. Ich habe dieses Jahr schon ein paar mal auf dem Boot gesessen. Insofern ist die Aufgabenteilung klar, Hannes macht das Rohr, ich den Affen. Vier Rennen und ein paar Glühwein später ist dann klar, Pirat segeln ist auch Sport – nur anders eben. Aber Spaß gemacht hat es, an Land und auf dem Wasser! Und darauf kommt es an!

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Naja, und wenn man dann so schön dabei ist, dann fährt man natürlich auch zur letzten Regatta des Jahres – der kalte Schlag am 3. Advent in Bremen! 62 Meldungen. Wind satt! Sonne satt! Gute Laue in allen Gesichtern! O.K. Bei einigen ist vielleicht auch der Gang über den Bremer Weihnachtsmarkt im Kopf (und Blut dafür) verantwortlich. 2 Stunden vor dem Start scheint sich zumindest noch niemand so recht Gedanken zu machen, was die Hammerböen, die da über den See fegen, gleich bedeuten. Unbeeindruckt riggt die Flotte auf. Als um 10:30 Uhr die Steuermannsbesprechung beginnt sind alle guter Laune. Die mahnenden Worte von Ralf machen es dann aber doch deutlich – das wird heute kein Kindergeburtstag! Als mein Segel hochgeht wackelt der Bock ziemlich auf dem Slipwagen hin und her. Endlich im Wasser ist das Boot teilweise kaum zu bändigen, im nächsten Moment ist es aber langweilig und ich teiche nach luv ab. Na, das kann ja was werden. So langsam kommen auch die anderen. Von den 17 gemeldeten Optis gehen immerhin 5 auf's Wasser. Sie haben den ersten Start. Der zweite ist für uns – die Contender. Mein Gott – was tue ich mir hier an! Die Böen hauen unvermittelt ins Segel. Gleich mit dem Startschuß haut es mich um - na wunderbar! Aber egal, aufrichten und dem Feld hinterher. Noch vor Tonne 1 reißt es noch zwei Boote, der Raumgang zu Tonne 2 – ein Gedicht! Schön tief, Druck ohne Ende! Es ist nur ein Baggerloch, aber so schön!! Auf dem Weg zur Tonne 3 haut es den Rest des Feldes um. Nur Christoph steht die Böen und ich bin inzwischen zweiter. Läuft gut! Oder besser springt gut! Ich komme mir inzwischen mehr wie ein Cowboy auf einem wilden Mustang vor. Der Rumpf unter mir bäumt sich auf. Versucht mich nach lee weg zu katapultieren, wenn das nicht klappt, versucht es mich in luv vom Boot zu spülen, um dann unvermittelt gleich wieder zu beschleunigen. Das ist vermutlich der Kräfte zehrendste Segeltip meines bisherigen Seglerlebens. Der Wind dreht wie wild und keinem von uns ist es vergönnt ohne mehrfache Kenterung das Ziel zu erreichen. Ganze drei Boote unserer Startgruppe schaffen es überhaupt nur regulär ins Ziel. Verrückt aber geil! Ich will mehr!!

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© Heiner Lindemann

Nachschlag gibt es dann auch gleich oben drauf. Der Start zum nächsten Rennen. Im Formationsflug geht es wieder zur ersten Tonne. Dann abbiegen und wieder raumschots heizen! Ich will noch viel mehr!! Gibt es auch! Meine Schwerthalterung reißt, das Schwert kommt hoch und der folgende Stunt fühlt sich nicht gut an! Zum Glück ist das Ufer nah und ich kann den Schaden schnell beheben. Weiter geht’s! Es ist verrückt, aber macht einen heiden Spaß! Uuups, was ist das? Der Bolzen vom Großschotblock ist weg. Wieder ans Ufer – puh! Ich gebe den Lauf auf. Lieber in Ruhe reparieren und dann nochmal im nächsten Lauf richtig Gas geben! Aber die Wettfahrtleitung gibt uns keinen dritten Lauf. Grundsätzlich sicher eine gute Entscheidung. Aber schön wäre es doch gewesen. Am Ende waren 48 von 62 Schiffen auf dem Wasser. Bei den Bedingungen  - Wahnsinn! Was für eine tolle Veranstaltung – Was für ein schöner Tag auf dem Wasser! Sicher bin ich nach 1,5 Rennen kaputt wie nach 3 Tagen KiWo bei Hack, aber es war wunderbar!

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Da bleibt am Ende nun die Frage – warum soll man sein Boot vor diesem wunderbaren Segelmonat überhaupt in die Halle schieben? Ach ja, und Ansegeln ist übrigens am 01.01. pünktlich um 10 Uhr!

Andreas
GER-11/GER-4027/GER-20